Gamen:
Faszination Games

Gamen und Chatten decken wichtige Grundbedürfnisse von Jugendlichen ab: Zugehörigkeit, Anerkennung, Autonomie und sich kompetent fühlen. Online ist für junge Menschen genauso eine Realität wie das Sein in der realen Welt.
Von Brigitte Müller

laut & leise: Larissa Hauser, Sie arbeiten als ausgebildete Psychologin auf der Suchtpräventionsstelle Winterthur. Was interessiert Sie am Thema Gamen?
Larissa Hauser: Mich faszinieren die Menschen, die gamen und die damit verbunden Fragen – wie und warum gamen sie, was erleben und fühlen sie dabei. Es sind also psychologische Aspekte, die mich interessieren.Ich selber game nicht. Manchmal schaue ich meinem Mann zu, wenn er spielt, doch nach kurzer Zeit bin ich gelangweilt. Aber ich rede gerne mit Menschen über das Gamen.

l & l: Ihr Sohn ist in einem Alter, wo das Thema Gamen noch nicht aktuell ist. Nutzen Sie als Mutter schon heute Gelegenheiten, dass er spielerisch mit digitalen Medien in Berührung kommt?
Hauser: Unser Sohn hat sich bereits mit drei Jahren einen Laptop aus Papier und Moosgummi für die Tasten gebaut. Wenn meinMannoderichzuHausemitdemLaptop arbeiten, dann holt er oft seinen gebasteltenLaptop, setzt sichzuunsundarbeitet ebenfalls konzentriert und geschäftig mit. Erspielt sodieWeltderErwachsenennach. Genauso war er vor eineinhalb Jahren mit mir schwanger, indem er sich einen dicken Bauch bastelte und mir erzählte «wie anstrengend es langsam sei».

l & l: Die digitale Welt wird also erfahrbar durch Rollenspiele.
Hauser: Genau. Wir alle haben selber als Kinder solche Rollenspiele gespielt mit Puppen, mit einem Verkaufsladen, mit den Spielzeugautos. Rollenspiele sind sehr wichtig. Damit lernen, erfahren und verstehen Kinder auf ihre eigene, spielerische Art die Erwachsenenwelt und erkunden dabei gleichzeitig, was für eine Bedeutung gewisse Dinge, beispielsweise die Medien, innerhalb der Familie haben. Das ist ein wichtiger Aspekt der Medienkompetenz.

l & l: Lassen Sie Ihren Sohn auch mit einem iPad oder Smartphone spielen?
Hauser: Unser Sohn ist fünf Jahre alt, und er darf diese Geräte regelmässig benützen. Wichtig ist mir, dass der zeitliche Rahmen begrenzt ist und ich genau weiss, was er anschaut oder spielt. Als Fachfrau empfehle ich, dass Eltern bewusst reflektieren und sich möglichst einig sind, welchen Umgang sie ihren Kindern ermöglichen möchten. Gleichzeitig ist es wichtig, seinen eigenen Konsum und Umgang mit diesen Geräten zu hinterfragen. Diese Diskussion sollten Eltern im besten Fall schonvor der Geburtführen, dennwie die bereits erwähnten Rollenspiele klar zeigen, beobachten schon Babys und Kleinkinder ihre Eltern sehr genau. Schliesslich sind wir Erwachsenen es, die den Kindern den Umgang mit den Medien vorleben.

l & l: In welchem Zusammenhang haben Sie beruflich mit dem Thema Gamen zu tun?
Hauser: Ich arbeite seit neun Jahren auf der Suchtpräventionsstelle Winterthur und so lange beschäftigen uns auch die Themen Gamen und Social Media, für die wir Weiterbildungen anbieten. Ich habe zudem einen Master mit dem Schwerpunkt Medienpsychologie abgeschlossen. Das Interessante ist, dass sich die Onlinewelt rasant verändert, und ich mich also stetig informieren muss. An Weiterbildungen oder in Beratungsgesprächen kann ich meine Erkenntnisse und mein Wissen an Lehr- und Fachpersonen sowie Eltern weitergeben.

l & l: Haben Sie Erklärungen, warum Jugendliche gamen und chatten?
Hauser: Gamen und Chatten befriedigen natürliche Bedürfnisse von Jugendlichen. Es sind dies vor allem Zugehörigkeit, Anerkennung, Autonomie und sich kompetent zu fühlen. Diese Bedürfnisse kennen auchErwachsene, nur suchen Kinder und Jugendliche im Zuge ihrer Entwicklung verstärkt danach. Zudem möchte ich betonen, dass Gamen und Chatten einfach Spass machen. Die Jugendlichen erleben

Angebote der regionalen Suchtpräventionsstellen

Die Suchtpräventionsstellen bieten rund ums Thema Gamen und Online-Sucht folgende Dienstleistungen für Schulen, Eltern und Gemeinden:

  • Beratung und Unterrichtsmaterialien für Schulen, unter anderem Freelance mit leicht umsetzbaren, erprobten Unterrichtseinheite
  • Elternabende an Schulen und in Gemeinden
  • Elternbroschüren in verschiedenen Sprachen. Kostenlos bestellen oder lesen unter: suchtpraevention-zh.ch > Publikationen > Infomaterial für Familien
  • Kurzberatung für besorgte Bezugspersonen von Jugendlichen
  • Weitere Angebote bei einzelnen Stellen

Den Kontakt zur Suchtpräventionsstelle Ihrer Region finden Sie auf der Rückseite dieses Heftes.

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